Koordinatensysteme in Deutschland
Fast jeder Ärger mit fremden Geodaten geht auf dieselbe Frage zurück: Worauf beziehen sich diese Zahlen? Diese Seite beantwortet sie für die Systeme, die in Deutschland tatsächlich vorkommen — ohne Vermessungsvorlesung.
Die drei Fälle, die 95 % abdecken
| System | Wo | Woran man es erkennt |
|---|---|---|
EPSG:25832 | West- und Mitteldeutschland (UTM-Zone 32) | Rechtswert 6-stellig um 300 000–700 000, Hochwert 7-stellig um 5 200 000–6 100 000 |
EPSG:25833 | Ostdeutschland (UTM-Zone 33) | Gleiche Größenordnung; die Zone entscheidet, nicht die Zahl |
EPSG:4326 | Weltweit, geografisch (WGS 84) | Kleine Zahlen mit Nachkommastellen: 51,23 / 7,14 |
Faustregel: Sechs- und siebenstellige Ganzzahlen sind Meter in einem UTM- oder Gauß-Krüger-System. Zahlen zwischen −180 und 90 mit Komma sind Grad.
Gauß-Krüger — warum es noch auftaucht
Vor der Umstellung auf ETRS89/UTM war Gauß-Krüger (EPSG:31466 bis 31469) der Standard der Landesvermessung. Ältere Bestandsdaten, gescannte Pläne und manche Fachverfahren liefern bis heute so.
Der Stolperstein: Bei Gauß-Krüger steht die Zonennummer oft in der Koordinate — ein Rechtswert wie 3 545 000 beginnt mit der 3 für Zone 3. Wer solche Werte als UTM einliest, landet ein paar tausend Kilometer daneben.
Woran man ein falsch angenommenes System erkennt
- Die Daten liegen im Golf von Guinea (0°/0°) — es wurde gar kein System gefunden und die Position auf 0/0 gesetzt.
- Alles liegt im Meer westlich von Afrika oder in der Antarktis — Länge und Breite sind vertauscht. Klassisch bei GML 3, siehe GML-Format.
- Die Geometrie sieht richtig aus, liegt aber ein paar hundert Kilometer daneben — falsche UTM-Zone (32 statt 33) oder Gauß-Krüger als UTM gelesen.
- Alles ist um wenige Meter verschoben — anderes Bezugssystem (DHDN gegen ETRS89). Für Katasterzwecke relevant, für eine Übersichtskarte nicht.
Was GeoVerto damit macht
Bei jeder Analyse wird das erkannte System mit einem Konfidenzwert angezeigt. 97 % heißt: eindeutig aus den Metadaten gelesen. 0 % heißt: keine Angabe in der Datei — dann fragt GeoVerto nach, statt ein System zu raten.
Warum die Angabe wichtig ist: Ein falsch angenommenes System erzeugt keine Fehlermeldung, sondern Koordinaten, die plausibel aussehen und trotzdem falsch sind. Das fällt oft erst auf, wenn die Daten schon weitergegeben wurden. Bei DXF und DGN ist die Angabe deshalb Pflicht — beide Formate speichern kein System.
Einzelne Punkte lassen sich ohne Datei umrechnen: Koordinaten-Umrechner.
Wenn Sie es nicht wissen
Fragen Sie den Datenlieferanten. Das klingt banal, ist aber der einzige verlässliche Weg — und bei Behördendaten steht es meist im Begleitdokument oder im Metadatensatz des Geoportals. Bei deutschen Vermessungs- und Planungsdaten ohne weitere Angabe ist EPSG:25832 die wahrscheinlichste Antwort, aber eine Vermutung bleibt eine Vermutung.