Warum liegen meine GIS-Daten im Meer oder am falschen Ort?
Die Datei öffnet sich ohne Fehler, die Umrisse sehen richtig aus — aber der Datensatz liegt vor Westafrika, im Indischen Ozean oder ein paar hundert Kilometer neben dem Projektgebiet. Fast immer ist eine von fünf Ursachen verantwortlich. Sie lassen sich an der Art des Versatzes unterscheiden.
Schnelldiagnose
| Wo liegen die Daten? | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Indischer Ozean vor Somalia (etwa 51° Ost, 10° Nord) | Achsen vertauscht (1) |
| Golf von Guinea, Punkt 0/0 vor Westafrika | Koordinaten fehlen oder sind 0; Spaltenzuordnung (1) |
| Alles in einem Punkt oder außerhalb der Weltkarte | Meter als Grad gelesen (2) |
| Richtige Breite, 400–500 km Ost-West-Versatz | Falsche UTM-Zone (3) |
| Wenige hundert Meter bis Kilometer, leicht verdreht | Gauß-Krüger/UTM verwechselt (4) |
| Werte in Millionen, starke Verzerrung | Web-Mercator (5) |
1. Achsen vertauscht: Breite und Länge in falscher Reihenfolge
Symptom: Der Datensatz liegt gespiegelt an der Diagonalen — Daten aus Deutschland (etwa 10° Ost, 51° Nord) landen bei 51° Ost, 10° Nord im Indischen Ozean vor Somalia.
Ursache: GeoJSON, KML und Shapefile erwarten Länge zuerst (x = Ost), GML 3 und viele Behördendienste liefern bei EPSG:4326 dagegen Breite zuerst. Wer eine CSV mit Spalten „lat, lon“ als „x, y“ einliest, tauscht ebenfalls.
Lösung: Beim CSV-Import die Spaltenzuordnung prüfen (X = Länge/Ost, Y = Breite/Nord). Bei GML die Achsenreihenfolge des Dienstes beachten. GeoVerto erkennt den Fall am Wertebereich und nennt ihn im Bericht.
2. Projizierte Koordinaten als geografische gelesen
Symptom: Alle Objekte kleben in einem winzigen Fleck — oder liegen weit außerhalb jeder Karte, weil Werte wie 565.000 als „Grad“ interpretiert werden.
Ursache: Eine Datei ohne Koordinatensystem (Shapefile ohne .prj, DXF, CSV) wird als WGS 84 angenommen, enthält aber UTM- oder Gauß-Krüger-Meter.
Lösung: Das richtige Quellsystem zuweisen (nicht transformieren): meist EPSG:25832 für Westdeutschland, 25833 für den Osten, 31466–31469 für Gauß-Krüger-Altbestände. Anleitung: Shapefile ohne PRJ-Datei.
3. Falsche UTM-Zone: 32 statt 33 oder umgekehrt
Symptom: Der Datensatz liegt an der richtigen Breite, aber rund 400 bis 500 Kilometer zu weit östlich oder westlich — Dresden erscheint bei Kassel.
Ursache: Deutschland liegt in zwei UTM-Zonen. Die Grenze verläuft bei 12° Ost — westlich Zone 32 (EPSG:25832), östlich Zone 33 (EPSG:25833). Berlin, Sachsen und Brandenburg sind Zone 33; Bayern nutzt amtlich durchgehend Zone 32.
Lösung: Zone am Rechtswert prüfen: In Zone 32 liegen deutsche Rechtswerte grob zwischen 280.000 und 920.000; Werte mit vorangestellter 32 oder 33 nennen die Zone direkt. Im Zweifel beide Codes in der Kartenvorschau ausprobieren.
4. Gauß-Krüger und UTM verwechselt
Symptom: Versatz von rund 100 Metern bis mehreren Kilometern, oft schräg — die Umrisse stimmen, die Lage nicht ganz.
Ursache: Gauß-Krüger (Bessel-Ellipsoid, DHDN) und UTM (GRS80, ETRS89) unterscheiden sich in Ellipsoid, Datum und Meridianstreifen. Ein Gauß-Krüger-Datensatz, der als UTM beschriftet ist, liegt systematisch daneben.
Lösung: An der ersten Ziffer erkennen: Siebenstellige Rechtswerte, die mit der Zonennummer beginnen (z. B. 3.565.000 für Zone 3), sind Gauß-Krüger. Beim Umrechnen nach UTM eine Transformation mit Datumswechsel verwenden (BeTA2007); GeoVerto nutzt sie automatisch.
5. Web-Mercator statt WGS 84
Symptom: Werte in Millionen, das Bild ist an den Polen verzerrt oder liegt Tausende Kilometer daneben.
Ursache: Aus Webkarten exportierte Daten (EPSG:3857) sind in Metern der Mercator-Projektion, nicht in Grad — obwohl sie „WGS 84“ im Namen tragen.
Lösung: Als EPSG:3857 einlesen und nach 4326 oder 25832 transformieren.
Zuweisen oder transformieren?
Der wichtigste Unterschied bei der Behebung: Zuweisen ändert nur die Beschriftung — die Zahlen bleiben, wie sie sind (QGIS: „KBS zuweisen“, ogr2ogr: -a_srs). Transformieren rechnet die Zahlen in ein anderes System um (QGIS: „Layer exportieren“ mit neuem KBS, ogr2ogr: -t_srs). Bei den Ursachen 2 bis 4 ist zuerst das richtige System zuzuweisen; erst danach ergibt eine Transformation Sinn. Wer transformiert, ohne vorher richtig zuzuweisen, verschiebt den Fehler nur.
So hilft GeoVerto
Nach dem Upload zeigt die Analyse das erkannte Koordinatensystem mit einem Konfidenzwert, den Wertebereich der Koordinaten und eine Kartenvorschau. Liegt der Datensatz dort am falschen Ort, korrigieren Sie das Quellsystem vor der Konvertierung — Sie sehen sofort, ob die neue Annahme stimmt. Der Koordinaten-Umrechner hilft bei einzelnen Punkten, etwa um eine bekannte Adresse gegenzuprüfen.