Praxisfall · CAD · Koordinatensystem

DXF hat kein Koordinatensystem — welches muss ich wählen?

Beim Import einer DXF-Datei fragt jedes GIS — und auch GeoVerto — nach dem Koordinatensystem. Das ist kein Mangel der Datei: Das DXF-Format kennt schlicht kein Feld dafür. In der Zeichnung stehen nur Zahlenpaare. Ob das Meter in UTM Zone 32, Gauß-Krüger, oder Millimeter relativ zu einer Gebäudeecke sind, weiß nur, wer die Zeichnung angelegt hat.

Die drei Fälle

Wie sehen die Koordinaten aus?Was es istWas Sie angeben
565.432,12 / 5.933.210,45Landeskoordinaten UTM (ETRS89), im Osten Zone 33EPSG:25832 bzw. 25833
3.565.432,12 / 5.935.210,45Gauß-Krüger, führende Ziffer = Zone (hier 3)EPSG:31467 (Zone 2–5: 31466–31469)
12,45 / 87,20 oder 12450 / 87200Baukoordinaten: lokaler Nullpunkt, oft in MillimeternKein EPSG-Code — die Zeichnung muss zuerst georeferenziert werden

So finden Sie es heraus

  1. Fragen Sie den Absender. Vermessungsbüros und Planungsämter liefern in Deutschland fast immer ETRS89/UTM; die Zone steht im Lieferschein oder in der Auftragsbeschreibung. Ältere Bestände (vor etwa 2010) sind häufig Gauß-Krüger.
  2. Sehen Sie sich einen Punkt an. Im CAD-Programm die Koordinate einer bekannten Ecke abfragen und mit dem Koordinaten-Umrechner in Länge/Breite umrechnen. Trifft der Punkt die richtige Straße, stimmt das System.
  3. Prüfen Sie die Größenordnung. Rechtswert sechsstellig und Hochwert siebenstellig um 5,2–6,1 Millionen: UTM. Rechtswert siebenstellig, beginnend mit 2–5: Gauß-Krüger. Kleine Zahlen: Baukoordinaten.
  4. Achten Sie auf Einheiten. CAD-Zeichnungen sind oft in Millimetern angelegt. Ein UTM-Rechtswert in Millimetern hat neun Stellen — dann vor dem Import um den Faktor 1000 skalieren.

Was, wenn es Baukoordinaten sind?

Dann hilft kein EPSG-Code. Die Zeichnung muss georeferenziert werden: Mindestens zwei, besser drei oder mehr Punkte, deren Landeskoordinaten Sie kennen (Grenzsteine, Gebäudeecken aus dem Kataster, GNSS-Messung), werden den entsprechenden Punkten der Zeichnung zugeordnet; daraus ergibt sich eine Verschiebung, Drehung und Skalierung. In QGIS geht das mit dem Werkzeug „Vektorlayer georeferenzieren“, in AutoCAD Map 3D über „Zeichnung zuweisen“. Erst danach hat die Datei ein Landeskoordinatensystem und lässt sich sinnvoll konvertieren.

Warum GeoVerto nicht einfach UTM annimmt

Weil eine falsche Annahme keine Fehlermeldung erzeugt, sondern ein Ergebnis, das plausibel aussieht und trotzdem hunderte Kilometer daneben liegt — eine Gauß-Krüger-Zeichnung als UTM interpretiert landet 3 Millionen Meter östlich. Deshalb ist die Angabe auf den Seiten DXF in Shapefile, DXF in GeoJSON und DXF in GeoPackage Pflicht. Die Kartenvorschau zeigt danach sofort, ob die Wahl stimmt.

Häufige Fragen

Kann ich das Koordinatensystem in die DXF schreiben, damit die Frage nicht mehr kommt?
Nein — DXF hat dafür kein Feld. Manche Programme legen eine Begleitdatei (.prj oder .wld) daneben; GIS-Software liest sie teilweise. Verlässlich ist der Wechsel in ein Format mit eingebettetem System, etwa GeoPackage.
Gehen beim Import Attribute verloren?
DXF trägt keine Sachdaten, nur Ebene, Farbe und Stift. Der Ebenenname landet im GIS als Attribut Layer; Texte als Attribut Text. Mehr auf der DXF-Formatseite.
Was ist mit DWG?
Das binäre AutoCAD-Format wird nicht gelesen. Exportieren Sie im CAD-Programm als DXF („Speichern unter“, Dateityp AutoCAD DXF).