Shapefile ohne PRJ-Datei: Was tun?
Ein Shapefile besteht aus mehreren Dateien. Die .prj ist die kleinste davon — und die, die am häufigsten fehlt. Ohne sie weiß kein Programm, in welchem Koordinatensystem die Zahlen in der .shp gemeint sind. Die Geometrie ist vollständig da, nur der Ort auf der Erde ist unbestimmt. So finden Sie ihn wieder.
Woran Sie das Problem erkennen
- QGIS oder ArcGIS fragen beim Öffnen nach dem Koordinatensystem oder zeigen den Layer als „unbekanntes CRS“ an.
- Der Layer erscheint gar nicht auf der Karte oder liegt weit weg von den übrigen Daten — typischerweise nahe dem Nullpunkt vor Westafrika oder im Indischen Ozean.
- GeoVerto meldet in der Analyse eine niedrige Konfidenz (0 %) für das Koordinatensystem und bittet um eine Angabe.
Schritt 1: Die Zahlen ansehen
Öffnen Sie die Attributtabelle oder lassen Sie sich die Ausdehnung des Layers anzeigen. An der Größenordnung der Koordinaten erkennen Sie das System fast immer — für Daten aus Deutschland gilt:
| Beispielwert (Rechts / Hoch) | Wahrscheinliches System | EPSG-Code |
|---|---|---|
| 9,99 / 53,55 | Geografische Koordinaten (Länge/Breite), WGS 84 oder ETRS89 | 4326 / 4258 |
| 565.000 / 5.933.000 | ETRS89 / UTM Zone 32N (Westen und Mitte Deutschlands) | 25832 |
| 32565000 / 5933000 | UTM 32N mit vorangestellter Zonenkennung (Katasterlieferungen) | 25832 (Zonenpräfix entfernen) |
| 390.000 / 5.820.000 | ETRS89 / UTM Zone 33N (Osten: Berlin, Sachsen, Brandenburg) | 25833 |
| 3.565.000 / 5.935.000 | Gauß-Krüger Zone 3 (Altbestände; erste Ziffer = Zone) | 31467 |
| 1.112.000 / 7.085.000 | Web-Mercator (aus Webkarten exportiert) | 3857 |
Faustregel für Deutschland: sechsstellige Rechtswerte um 300.000–800.000 und siebenstellige Hochwerte um 5,2–6,1 Millionen sind UTM; beginnt der Rechtswert mit 2, 3, 4 oder 5 und ist siebenstellig, ist es Gauß-Krüger mit dieser Zone.
Schritt 2: Die Vermutung prüfen
Nehmen Sie ein Objekt, dessen Lage Sie kennen — ein Rathaus, eine Kreuzung — und rechnen Sie seine Koordinate mit dem Koordinaten-Umrechner in geografische Länge und Breite um. Passt das Ergebnis, ist das System gefunden. Liegt der Punkt ein paar hundert Meter daneben, sind vermutlich UTM 32 und 33 oder ETRS89 und WGS 84 vertauscht; liegt er hunderte Kilometer daneben, ist es die falsche Zone oder ein anderes System.
Bei GeoVerto laden Sie das ZIP hoch und sehen die Kartenvorschau: Liegt der Datensatz nach Ihrer Angabe an der richtigen Stelle, stimmt der Code.
Schritt 3: Die PRJ ergänzen
In QGIS: Layer → Eigenschaften → Quelle → Koordinatenbezugssystem zuweisen (nicht transformieren!) und den Layer als neues Shapefile exportieren; die .prj wird dann geschrieben. Auf der Kommandozeile:
ogr2ogr -a_srs EPSG:25832 mit_prj.shp ohne_prj.shp-a_srs weist ein System zu, ohne die Zahlen zu verändern. Das Gegenstück -t_srs rechnet um — das wäre hier falsch, weil die Zahlen ja schon im richtigen System stehen, es fehlt nur die Beschriftung.
Mit GeoVerto: ZIP hochladen, das Quellsystem angeben, als Shapefile oder GeoPackage exportieren — das Ergebnis enthält die .prj beziehungsweise das eingebettete System. Der Weg über Shapefile in GeoPackage verhindert, dass die Datei später wieder verloren geht: Ein GeoPackage ist eine einzige Datei.
Häufige Fragen
- Kann GeoVerto das System nicht einfach erraten?
- Es zeigt eine Vermutung mit Konfidenz an, schreibt sie aber nicht ungefragt in die Datei. Ein falsch geratenes System erzeugt keine Fehlermeldung, sondern plausible Zahlen am falschen Ort — das fällt oft erst auf, wenn die Daten schon weitergegeben sind.
- Ist ETRS89 dasselbe wie WGS 84?
- Für die meisten Zwecke ja: In Deutschland weichen die beiden um weniger als einen Meter voneinander ab. Amtliche Daten sind ETRS89 (EPSG:4258, 25832, 25833), Web- und GPS-Daten WGS 84 (EPSG:4326).
- Warum reicht die .prj allein nicht?
- Weil ein Shapefile mindestens
.shp,.shxund.dbfbraucht — fehlt eine davon, fehlen Geometrieindex oder Attribute. Was ins ZIP gehört, steht auf der Seite Shapefile erklärt.